Samstag, 9. Dezember 2017

Zyklus 1 : Vulkan-Story von Ramona Roth

Fanzine-Heft
Selbstproduziertes Fanzine

Fanzine, 63 Seiten
in einem Band mit der Kurzgeschichte "Arachat: Vulkan-Story von Manuela Gaderister"
Eine STAR TREK FORUM Produktion, 1994
Bestellbar über das Star Trek Forum 

Woher: Vor Jahren mal in einem Fan-Forum bestellt, aber aufgrund des Layouts war ich abgeschreckt und hab es nie gelesen. Jetzt hab ich es beim Aufräumen gefunden und angefangen zu lesen.



So fängt es an

Draußen spülte der Wind den Sand wie Wasser über die Steine, drängte ihn über die Ebene zu Füßen des Berges Seleya und verwüstete, wie schon seit Jahrmillionen, das karge Land. Der Knabe sank in die Knie, zitternd.


Zusammenfassung


Saran ist ein Scany'har, der letzte in einer Linie psionischer Großmeister, die vor Surak den Planeten Vulkan fest im Machtgriff hatten. Saran steht im Mittelpunkt des Aufdeckens einer Verschwörung in höchsten vulkanischen Kreisen.



Über das Werk

Ramona Roth schreibt im Vorwort, dass sie ein großer Star-Trek- und insbesondere Spock-Amanda-Sarek-Vulkan-Fan ist. In diesem Roman hat sie sich besonders mit IDIC, Cthia, Seleya, Gol und dem Pon Farr beschäftigt. Der Roman basiert teilweise auf der Geschichte "Grundsätze" (NCC20) und Jean Lorrahs "Mord an der Vulkan-Akademie" (Heyne).



Persönlicher Eindruck


Da ich den Roman "Mord an der Vulkan-Akademie" gut kenne, war ich begeistert, wie gut die Autorin an den Roman anknüpft. Sie führt die Stimmung perfekt weiter. Vulkanier wie Daniel und Sorel begegnen uns wieder, und natürlich Sarek, Amanda, aber auch Saavik und Spock, McCoy und Kirk. Der Hauptcharakter ist Saran, auf ihm liegt der Fokus. Er ist ein Scany'har. Diese Linie von machthungrigen Despoten hatte Vulkan jahrhundertelang im Griff ihrer Macht, bis zu Surak. Ein letzter Krieg brach aus und alle Scany'har wurden entweder ins Exil geschickt, sie wurden zu den heutigen Romulanern, oder exekutiert. Mitleid erwies man einem Baby und gab es zur Adoption. So gibt es bis heute Scany'har unter den Vulkaniern, was fast niemand bekannt ist.

Saran ist ein ambivalenter Charakter. Er genießt das Vertrauen von T'Pau und auch Saavik schätzt ihn (sie schreibt unter ihm ihre Dissertation). Doch andererseits mißtrauen Sarek und Spock ihm. Ist er ein loyaler Bürger oder strebt er heimlich nach der Macht? Diese Frage zieht sich durch das Heft. Saran hat sympathische und unsympathische Züge, verstärkt noch dadurch, dass wir lange nicht sicher sind, wo er tatsächlich steht. Er ist ein durchaus vulkanischer Vulkanier, sehr strikt und kontrolliert und merkt lange Zeit gar nicht, dass Saavik ihn sehr schätzt und sich mehr vorstellen kann.

Ramona Roth erweckt die vulkanische Gesellschaft und Vulkanier zum Leben. Dabei führt sie den Stil von Jean Lorrah fort. Die Vulkanier beherrschen ihre Gefühle, aber sie schimmern durch, wenn man das Individuum kennt. Die Beziehungen untereinander zu beschreiben, das liegt der Autorin sehr, und das macht richtig Spaß beim Lesen, gerade weil ich, wie die Autorin, ein Fan von "Mord an der Vulkan-Akademie" war und es als Teeny dutzende Male gelesen habe. Auch Sarans Pon Farr ist gut beschrieben. Entgegen seinem Willen kann Saran das Pon Farr nur durch eine Bindung überwinden. 

Auch Saavik, Sarek und Amanda sind gut beschrieben und charakterisiert. Kirk und McCoy kommen erst spät vor und bleiben seltsam blass. Kirk führt irgendwelche Ermittlungen durch, das wird aber nur beiläufig erwähnt und bleibt auch blass. Die Verschwörung selber blieb für mich eher nebulös und unbedrohlich. Die Verwandtschaftsbeziehung von Saran zu Sarek ist etwas unlogisch beschrieben, mal sind sie "Cousins", dann weitläufig verwandt, entstammen zwei verschiedenen Linien oder kennen sich nicht so gut. Vielleicht würde der zweite Teil hier mehr Klarheit bringen. Zudem waren es etwas zu viele Nebencharaktere, die ich mir nicht alle merken konnte. Auf Vulkanierart fingen die auch alle mit S an, was es nicht erleichtert. Die Geschichte ist leider nicht abgeschlossen, ob es einen zweitten Teil gibt, konnte ich nicht herausfinden.

Der Stil ist personal. Immer, wenn von Saran, Saavik oder Sarek berichtet wird, dann sehen wir direkt in ihre Köpfe, erfahren ihre Gedanken, Motive usw. Aber wenn von anderen berichtet wird, erzählt die Autorin nur von außen, dass, was man sieht, nur das wird berichtet. Das macht ein Verständnis sehr schwer, wer da was tut und warum. Der Schreibstil an sich ist flüssig. Kleinere Logikfehler sind vertretbar, insgesamt fand ich es überraschend gut geschrieben, sehr ausführlich und unterhaltsam. Die Autorin hat einen Hang zur Kursivschrift und ein Lektorat würde das Werk nochmal deutlich verbessern.

Vertrieben wurde das Fanzine im A4-Format, selber gedruckt und geheftet. Das ist grundsätzlich ok, nur ist der Schriftsatz wirklich grausig und nur als Fanproduktion des Jahres 1994 zu verstehen. Das Layout hielt mich ja auch jahrelang vom Lesen ab.

Der Hinweis "Nur für Erwachsene" auf dem Cover ist übrigens nicht ernst zu nehmen. Es gibt (nur) ein oder zwei Sexszenen, aber diese sind nicht pornografisch und in der Handlung eingebettet.


Layoutsatz innen
Grausiger Layoutsatz


Lesen oder nicht?


Das Fanzine hat mich positiv überrascht. Die Stärken der Autorin liegen in der Beschreibung vulkanischen Lebens, hier knüpft sie famos an den Heyne-ST-Klassiker "Mord an der Vulkan-Akademie" an. Die Verschwörung wirkt auf mich unbedrohlich und nicht sehr spannend, das Layout und der Schriftsatz erfordern starke Fannerven. Ein Buch, dass man Vulkanier-Fans ans Herz legen kann, mit dem alle anderen aber wahrscheinlich weniger anfangen können.

Gesamtbewertung



Voller Stern
Voller Stern
Voller Stern
Leerer Stern
Leerer Stern
Gute Unterhaltung: Erwartung voll erfüllt
3 Sterne: Gute Unterhaltung: Erwartung voll erfüllt
Das Fanzine hat geliefert, was es versprochen hat. Tatsächlich war ich positiv überrascht, wie gut die Autorin vulkanische Stimmung wiedergibt und wie flüssig es sich lesen liest. Abzüge mache ich wegen dem grausigen Layout und der schwachen Hintergrundgeschichte.

3 Zitate


"Worum geht es, Saran?" beharrte Saavik mit vulkanischer Unnahbarkeit. Die Zeichen von Milde  und Humor verschwanden aus Sarans Gesicht, wichen absoluter Ausdruckslosigkeit. Saavik bedauerte ihr reserviertes Gebaren auf der Stelle. [S. 14, l.]

"Ein hohes Ideal haben, heißt noch lange nicht, es auch leben. Ich machte ganz zu Anfang den folgendschweren Fehler alle Vulkanier über einen Kamm zu scheren. Männer wie Spock und Sarek bilden die Ausnahme, nicht die Regel." [S. 29, r.]

Saavik wirkte betroffen: "Ich habe nicht vor, mich endgültig von dir, Sarek und Spock zu trennen. Dafür bedeutet ihr mir einfach zu viel."
Amanda, die nie mit einem solchen Geständnis Saavik's gerechnet hatte, war zutiefst bewegt, ließ sich aber nicht anmerken, wie sehr sie Saavik's Worte rührten. [Zufallszitat, S. 50, l.]



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