Donnerstag, 5. Oktober 2017

Welt aus Sand: Die Chroniken von Pathaar #1 von M. P. Anderfeldt

das Cover von Welt aus Sand
auf dem Kindle funktionieren
manche Titelseiten einfach nicht

Roman, 479 Seiten
Independently published, Juni 2017
Genre: Fantasy
ISBN:  978-1521410806
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Woher: Rezi-Exemplar des Autors



Erster Satz

Seit drei Tagen standen sie nun schon hier.


Zusammenfassung


Die Weiten von Pathaar werden beherrscht von den Ynsekti, riesigen und gefährlichen Insekten. Die Städte der Menschen sind längt verlassen und vom Sand fast zugeweht. Nomadenstämme und einige kleinere Gemeinschaften trotzden den Ynsekti. Es gibt noch zwei große Städte: Bedivere und Jupiter, die verfeindet sind und unterschiedlicher nicht sein können.

Kato wohnt in Jupiter und ist stolz darauf, Mechanikus in Ausbildung zu sein. Jupiter ist eine Stadt, die auf Stelzen läuft, immer in Bewegung ist. Als Kato zum Sammler degradiert wird, lernt er vieles Neues kennen.

Mira ist die Prinzessin von Bedivere. Diese göttergläubige Stadt verschanzt sich auf einem Felsen hinter Mauern vor den Ynsekti. Als Miras beste Freundin und Zofe, Mehindra, der Spionage verdächtigt wird, muss Mira eine Entscheidung treffen und erwachsen werden.

Es geht darum, Dinge zu hinterfragen und sich dem Unbekannten zu stellen.



Persönlicher Eindruck


Handlung

Mit dem ersten Kapitel hat mich Anderfeldt gleich für sich eingenommen. Was ist das für ein Gott, der da stirbt? Leider wurde dieser Prolog bis zum Ende nicht aufgelöst. Die nachfolgenden ersten Kapitel waren sehr kurz und zeigten exotische Szenerien. Ich wusste noch nichts von dieser Welt und ihren Regeln, und dennoch nahmen mich die Handlungen der Charaktere gefangen.

Im ersten Teil entdecken sowohl Kato als auch Mira, das die Welt nicht ganz so ist, wie sie bisher zu sein schien. Beide waren relativ verwöhnt und nahmen ihren Status als selbstverständlich: Mira ist eine Prinzessin und sehr behütet aufgewachsen und Kato gehört den hochangesehenen Mechanikern an, die viele Standesvorteile genießen.

Mira erfährt erstaunliches von ihrer Zofe und Freundin Mehindra. Als Baby ist ihre Mutter bei einem Angriff der Klaskiden, einer Ynsekti-Art, gestorben. Doch die Klaskiden haben das Baby Mira verschont, es schien fast so, als würden sie auf Mira reagieren. Mehindra hat das stets geheim gehalten.

Und Kato wird wegen einer Dummheit zu einem Sammler degradiert. Er muss erfahren, dass viele die Sammler sogar höher schätzen wie die Mechaniker. Kato nimmt an einer Expedition zu einer verschütteten Bibliothek teil und findet ein Buch, das alte Wahrheiten über die Ynsekti in Frage stellt.

In Teil zwei sehen wir dann, wie beide ihre Heimatstadt verlassen. Mira aus eigenem Antrieb, sie hat sich charakterlich weiterentwickelt, beginnt nachzudenken und Sachen in Frage zu stellen. Mira flüchtet, um ihre Freundin Mehindra zu retten. Kato dagegen nimmt mit zwei Fremden an einer Expedition zu einer alten Bibliothek teil und gerät in Gefangenschaft. Er verlässt die Stadt also nicht freiwillig.

Charaktere & Geschichte

Unsere beiden Hauptcharaktere sind Mira und Kato, doch gibt es eine ganze Riege stark ausgearbeiteter Nebencharakter. Besonders interessant fand ich den umherziehenden Klegg und seinen Gefährten, der Zentaur Ariho. Klegg wirkt wie ein rechter Abenteuer, ein Haudegen, der sehr viel über diese Welt weiß und sehr sympathisch rüberkommt.

Kato, der mit den beiden auf Expedition geht, kommt sich daneben immer unerfahren vor und gibt sich alle Mühe, einen nützlichen Beitrag zu leisten. Überhaupt kommt er mit neuen Gegebenheiten gut zurecht und integriert neue Sichtweisen schnell in sein Weltbild. Doch er ist niemand, der besonders dominant auftritt, bei den Piraten fällt er allerdings durch sein großes, mechanisches Verständnis auf. Mit all diesen Eigenschaften ist der 16-jährige Kato ein typischer Jugendlicher.
In Jupiter scheint er allerdings keine allzu engen Freundschaften geschlossen zu haben. Er mag zwar Torgen und auch Karin, doch es gibt keine enge Bindung und die beiden spielen im Verlauf der Geschichte nur eine untergeordnete Rolle. Auffallend ist auch die sexuelle Beziehung, die er bei den Piraten eingeht. Wie sie beginnt, ist nicht ganz klar, es heißt sie hätte ihn "stark gefordert" - die Freiwilligkeit von Kato ist hier zumindest nicht ganz ersichtlich, doch dann verbringt er jede Nacht bei ihr. Kato verändert sich in der Geschichte fast nicht, sammelt aber einen großen Fundus an Wissen an. Er ist der liebe, nette Junge.

So zurückhaltend Kato in der Geschichte auftritt, so sehr sticht Mira hervor. Sie ist deutlich expressiver. Auch sie eine typische Jugendliche, wobei sie eine große Verwandlung durchmacht. Am Anfang wird sie von ihrer Umgebung noch fast als Kind gesehen, als verwöhntes Mädchen. Doch sie beginnt, hinter die Kulissen zu sehen und Dinge zu hinterfragen. Angefangen von dem Bericht Mehindras, ihrem ungewöhnlichen Einfluß auf die Klaskiden. Als Mehindra verhaftet wird, ist das für Mira der Grund, aktiv zu werden. Sie schleicht sich verkleidet in die Stadt, unter das gemeine Volk, und geht Punkten der Anklage nach. Mit einer anderen Zofe untersucht sie Geheimgänge und findet schließlich die scheußlichen Mensch-Maschinen-Mischwesen in den Kellerräumen. Und dann schmiedet sie einen tollkühnen, dennoch etwas unausgereiften Plan, um Mehindra vor der Todesstrafe zu bewahren.

Auf der Flucht weg von Bedivere, durch kleine Ortschaften und die Wüste, lernt Mira die Welt kennen. Sie betrachtet sie neugierig und offen. Am Anfang werden sie von einer Gruppe Klaskiden begleitet - Mira scheint tatsächlich einen Einfluß auf sie zu haben, sie fast schon lenken zu können. Gut gefällt mir, als im Laufe der Reise Mira anfängt, individuelle Unterschiede zwischen den Klaskiden auszumachen, sie werden von einer anonymen Gruppe zu Individuen.
Als die Klaskiden getötet werden, stellt sich heraus, dass eines der Weibchen schwanger war - drei kleine Larven kriechen aus ihrem Beutel. Mira fühlt eine starke Zuneigung zu den kleinen Babys und adoptiert sie, denkt im Folgenden folgerichtet von den Larven als "ihren Babys".

Der große Auftritt von Mira ist gegen Ende des Buchs. Es wird deutlich, wie sehr sie auf der Reise gereift ist und Situationen besser einschätzen kann. Die Verbindung zu den Ynsekti wird stärker, aber noch ist rätselhaft, was genau diese Verbindung ist.

Das Ende der Geschichte fand ich genauso ungewöhnlich wie den Beginn. Zunächst mal ist es ein offenes Ende, der Autor schreibt dazu, dass es eine Fortsetzung geben wird. Dann begleiten wir am Ende des Buches Kato, der sich aber weitab vom Geschehen aufhält und gar nicht mitbekommt, was nun genau geschehen ist.

Generell hat mir gut gefallen, dass sich der Autor nicht auf eine Seite schlägt. Wir lernen die Schattenseiten und die Vorteile von jeder Stadt kennen und sogar die von beiden gefürchteten Ynsekti sind eventuell nicht ganz so böse, wie es scheint.

Weltenaufbau

Der Weltenaufbau ist originell. Die Ynsekti, die verlassenen Städte und der Sand, der Aufbau und die Gesellschaft von Bedivere und Jupiter - das alles scheint noch Stoff für weit mehr Bücher zu liefern. Da dieser erste Band "Die Chroniken" heißt, dürfen wir gespannt sein, was sich M.P. Anderfeldt noch ausgedacht hat. Der Name der Welt, "Pathaar", kommt bisher nur im Titel vor.

Sprache

Die Geschichte lässt sich gut lesen. Es gibt ein paar kleinere Rechtschreibfehler, was ich Self-Publishern aber immer gern verzeihe.

Stil

Der Stil hat es mir sehr angetan. Mir gefällt, wie der Autor die Welt nach und nach enthüllt. Die Protagonisten handeln menschlich und nachvollziehbar, doch die Beschaffenheit der Welt bleibt zunächst rätselhaft.
Ich will ein Beispiel geben. Der Autor schreibt nicht einfach "Jupiter war eine Stadt, die sich auf Stelzen fortbewegte", sondern er gibt nach und nach Hinweise. Zum Beispiel erfahren wir zunächst nur, dass Kato einen statischen, ruhigen Untergrund nicht gewöhnt ist. Erst später wird dann offensichtlich, dass sich die Stadt bewegt. Dann erfahren wir Einzelheiten, z.B. wie es hinter oder unter der Stadt aussieht oder von den gedrängten, platzsparenden Bauweise, der Unterbringung in Wohneinheiten etc. Diese Art des Autors hat mir gut gefallen, sie machte die Geschichte spannend, ganz so als würden wir, gleich Mira und Kato, die Welt um uns herum kennenlernen.

Die einzelnen Kapitel sind mit dem Namen desjenigen überschrieben, als dessen Sicht erzählt wird. Meist sind das Kato und Mira, aber auch Ankon oder Frau Kornheim.




Lesen oder nicht?


Mir persönlich hat die Geschichte gut gefallen. Der Weltenaufbau ist originell und der Stil sorgt für Spannung. Die Hauptcharaktere sind Jugendliche, und so muss man einige Unerfahrenheiten und Passivität der beiden aushalten. Andererseits sind sie offen, haben viele gute Eigenschaften und wir begleiten sie bei ihrer persönlichen Entwicklung.


3 Zitate


Es waren aufrechte Leute, stark in dem, was sie taten und unabhängig in dem, was sie dachten. [Pos. 65]

»Der heldenhafte Kampf von Luftschiff SLS 56.« Heldenhafter Kampf? Kato dachte an Frau Kornheims Kommentar zur Taktik des Luftschiffs. Der Kapitän hatte unvorsichtig gehandelt, es war allein seine Schuld, dass das Schiff abgestürzt war. Wurde die Wahrheit etwa immer so verfälscht? Kato kratzte sich am Kopf. Er hoffte, dass es der Besatzung gut ging. [Pos. 1502]

»Fliegen?« Mira erschrak. Menschen durften nicht fliegen, nicht seit dem Fall. Vorher, ja, da waren sie mit riesigen Maschinen herumgeflogen, mit Fahrzeugen, die Platz für Dutzende Personen gleichzeitig boten. Seither war das Fliegen den Ynsekti vorbehalten. Die Götter wollten es so.  [Zufallszitat, Pos. 4138]






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