Freitag, 25. August 2017

Es von Stephen King

Cover von ES
Es ... hahahaha

Roman, 1536 Seiten
Heyne Verlag, vollständig überarbeitete Auflage Februar 2011
Genre: Horror
ISBN: 978-3453435773
Originaltitel: It
Übersetzer: Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber
hier das Buch bei Amazon


Woher: Gelesen im Rahmen der Leserunde




Erster Satz

Der Schrecken, der weitere achtundzwanzig Jahre kein Ende nehmen sollte – wenn er überhaupt je ein Ende nahm -, begann, soviel ich weiß und sagen kann, mit einem Boot aus Zeitungspapier, das einen vom Regen überfluteten Rinnstein entlangtrieb.


Zusammenfassung



In Derry herrscht das Böse. Der "Club der Verlierer" nennt es nur "Es". In Gestalt des Clowns Pennywise hat es Bills Bruder Georgie getötet, doch er ist nicht das einzige Opfer.
Der Club der Verlierer besteht aus Stotter-Bill, dem Juden Stan, Schandmaul Richie, dem dicken Ben, Asthmatiker Eddie, dem schwarzen Mike und aus Beverly. Sie verkriechen sich in die Barrens, eine Art Wildnisgebiet mitten in der Stadt, und bauen dort ein Clubhaus. Und sie beschließen, Es zu töten.
27 Jahre später: Die Freunde hat es in alle Winde zerstreut, nur Mike ist in Derry geblieben. Als die Morde sich wiederholen, trommelt er die Freunde zusammen, um erneut den Kampf gegen Es aufzunehmen.





Persönlicher Eindruck


Meine Zusammenfassung scheint viel zu verraten, dennoch erfahren wir diesen groben Ablaufplan schon auf den ersten paar Seiten. Das wirklich großartige ist, wie das Szenario entwickelt wird. Stephen King erzählt detailreich, weitschweifig und schafft damit eine einzigarte athmosphärische Stimmung. Wie eine Spinne sich ihrem Opfer nähert, zieht uns Stephen King in fünf Teilen immer näher und näher an die finale Begegnung mit Es heran.

Teil I: Eine Einleitung in einer Länge, in der andere Autoren eine komplette Dilogie unterbringen. Doch kein Wort davon möchte ich missen. In Derry passieren wieder Morde. Die Mitglieder des Clubs der Verlierer werden zusammentelefoniert.
Das Seltsame: Bis dahin hatten sie ihre Kindheit, die Ereignisse als sie jünger als 11, 12 Jahre waren, komplett vergessen! Doch mit dem Telefonanruf von Mike erinnern sie sich wieder bruchstückhaft an Derry. Und in ihren Handflächen erscheinen die Narben des alten Schwurs, die zuvor verschwunden waren. Für Stan Uris ist das zuviel, er begeht Selbstmord. Doch auch die anderen fünf sind erschüttert.
Wir erfahren viel über die einzelnen Charaktere, King erschafft eine emotionale Stimmung, die unglaublich wirkt. Und schließlich gibt es einen unterschwelligen Grusel, denn der allwissende Erzähler lässt immer Hinweise fallen, dass es später noch richtig übel werden wird.

Teil II: Bill, Richie, Ben, Bev und Eddie fahren zurück nach Derry. Sie erinnern sich an das erste Zusammentreffen als Kinder und an ihre erste Begegnung mit Es. Alles zieht sich also weiter zusammen, wir nähern uns langsam dem Unheil, der Spinne im Netz. Ein gruseliges Gefühl.
Das die fünf so kollektiv ihre Kindheit vergessen haben, ist eine Art Zauber, der von Pennywise ausgeht und der nicht nur sie, sondern auch die Erwachsenen in Derry befällt, die die vielen Tragödien, die sich in Derry abspielen, auch wieder vergessen.
Auffallend war die große Gewalt, wie große Kinder kleinere verprügeln oder wie die Kinder von ihren Eltern mißhandelt werden. Als Mike thematisiert wurde, war ich richtiggehend erstaunt, dass sein Vater sehr liebevoll und fürsorglich ist.

Teil III: Die sechs Überlebenden sind wieder vereint. Sie begegnen Es erneut und erinnern sich zurück an ihre erste Begegnung mit Es. Auch weitere Personen beschließen plötzlich, nach Derry zu fahren.
Immer mehr Bruchstücke der Vergangenheit werden enthüllt.
Besonders grausig fand ich Beverlys erneute Begegnung mit Es und einfach nur widerlich.

Teil IV: In der Kinderclique kommt Mike hinzu, der Club der Verlierer ist nun zu siebt und damit vollzählig. Weitere grausame Morde geschehen. In einer Rauchloch-Vision im Clubhaus erfahren die 7, woher Es kam und entwickeln erste Ideen, wie sie Es besiegen können.
Meisterhaft ist in diesem Teil die Szene im Krankenhaus, wo Eddie mit seinem gebrochen Arm liegt. So viele Ebenen und Perspektivenwechsel für eine Szene, die andere mit zwei, drei Absätzen abgehandelt hätten. Aber hier bekommt sie Bedeutung und Tiefgang - und das ist so typisch für Kings Stil, das Lesen macht einfach Spaß.

Teil V: In beiden Zeitebenen stellen sich die Freunde Es in der Kanalisation von Derry. Mehr soll hier noch gar nicht verraten werden. Von dem, was die junge Beverly tut, war ich gleichermaßen bestürzt wie beeindruckt. Unglaublich!!

Ich mag den Aufbau dieses Buches, ich mag die Detailverliebtheit, den Schreibstil und ich mag, dass es 1500 Seiten hat.

Lesen oder nicht?


LESEN! Zugegeben, Es ist ein Mammutwerk und das mag den ein oder anderen abschrecken. Aber Stephen King schreibt so unwahrscheinlich gut. Seine detailreichen Schilderungen, die verschiedenen Ebenen, die er betrachtet, die Perspektivenwechsel; das alles schafft eine emotionale Stimmung, eine besondere Atmosphäre, schafft Tiefgang und Bedeutung - und erzeugt so, dass der Leser in die Geschichte reingezogen wird. So macht Lesen Spaß!


3 Zitate


»G-G-Georgie?« George drehte sich nach seinem Bruder um. »Sei v-vorsichtig.«
»Na klar«, sagte George und runzelte ein wenig die Stirn. So etwas sagt normalerweise eine Mutter, nicht aber ein großer Bruder. Es war ebenso seltsam wie der Kuss, den er Bill gegeben hatte. »Klar bin ich vorsichtig.«
Er ging hinaus. Bill sah ihn nie wieder.  [S. 22]

»Ich frage mich, ob die anderen auch Ehepartner haben, die gerade herausfinden, wie wenig sie über ihren Partner wissen. Ich schätze, ja.«
»Billy, ich weiß jedenfalls, dass ich dich liebe«, sagte sie. »Elf Jahre lang hat das gereicht.«
»Ich weiß.« Er lächelte sie an – ein liebevolles, müdes und verängstigtes Lächeln. [S. 172]

Sonia Kaspbraks Triumphgefühl, Eddies sogenannte Freunde weggeschickt zu haben, verflüchtigte sich, sobald sie Eddies Einzelzimmer am folgenden Nachmittag – dem 21. Juli – betrat. Sie konnte sich selbst nicht genau erklären, warum dieses Triumphgefühl verging und von einer undefinierbaren Angst abgelöst wurde; etwas an dem bleichen Gesicht ihres Sohnes beunruhigte sie – es drückte weder Ängstlichkeit noch Schmerz aus, sondern etwas, was sie nie zuvor an ihm gesehen hatte: Schärfe. Dieses Kindergesicht war plötzlich scharf und wachsam und entschlossen. [Zufallszitat, S. 1058]





Ich freue mich über eure Kommentare. Schon mal Stephen King gelesen?

Kommentare:

  1. Hallo Daniela!

    Freut mich, dass es dir auch so gut gefallen hat. Ja, Stephen King schreibt gerne detailliert :D Ich kann mich zwar nicht mehr so gut an seine Bücher erinnern, ich hab die hauptsächlich in meiner Jugend gelesen, und das ist doch schon eine Weile her ^^
    Aber darauf muss man sich einlassen können, dann sind seine Bücher wirklich große Klasse!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    Antworten
    1. Hi Aleshanee,
      seltsamerweise haben so viele King in ihrer Jugend gelesen, das hab ich jetzt schön öfters gehört.
      Ich auch :D
      Danke für deinen Follow!
      Gruß,
      Daniela

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  2. Huhu Daniela,

    ich bin ja schon immer ein riesen King Fan, aber gerade seine "alten" Sachen sind wirklich spitze! Ich habe "Es" geliebt!

    Liebe Grüße
    Jacqueline

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    1. Und völlig zu Recht! Ich werd auch wieder mehr King lesen.

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  3. Ich muss zugeben, ich habe tatsächlich noch GAR NICHTS von Stephen King gelesen. Die Bücher hören sich alle gut an, ich weiß gar nicht warum ich mich nicht traue. Ist ja doch schon ein ziemlicher Wälzer...kommt da echt keine Langeweile auf? Und welches Buch von dem Autor ist dein persönliches Highlight?

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    1. Hallo Anja,
      das erstaunt mich, da du ja so ein Thriller-Fan bist.
      Ja, es ist ein ziemlicher Wälzer, aber Langeweile ist echt nicht aufgekommen. Weniger wegen dem Horror, sondern wegen der Spannung, die sich aufbaut. Ich hatte gar nicht den Eindruck, dass es sich zieht oder so; alles schien einfach notwendig.
      Ich hab als Jugendliche viel King gelesen, aber hab keinen Titel mehr im Kopf, geschweige denn eine Rangliste, sorry.

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  4. Hallo Daniela,
    ach, ich freue mich immer wieder, wenn ich auf einem Blog eine Rezension zu einem King-Buch entdecke. Das erinnert mich an meine Jugendzeit und an die ersten Geschichten, mit denen ich so meine Abende verbracht habe.

    Es habe ich noch nicht gelesen. Mich gruselte immer vor der Tatsache, dass der Bösewicht dort ein Clown ist. Aber vielleicht sollte ich das nochmal nachholen. Vielen Dank für diese wundervolle Rezension :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Hallo Tanja,
      vielleicht hilft es dir zu wissen, dass das Böse in verschiedenen Erscheinungsformen auftritt, der Clown ist eine davon, wenn auch eine der eindringlichsten.
      Liebe Grüße
      Daniela

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  5. Hey Daniela,

    früher, als Jugendliche habe ich alles Mögliche von King verschlungen und irgendwann hatte ich genug. Hatte keine Lust mehr auf seine dicken Schmöcker, die so detailliert sind, dass es manchmal Fluch und Segen zugleich sein kann. An "ES" aber habe ich mich nie gewagt! Hatte tatsächlich Angst davor, dass es mir zu krass sein wird und das ist bis heute so geblieben. Hab ja schon Bammel davor die Rezis zu diesem Buch zu lesen! hahaha

    GlG vom monerl

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    1. :D
      Kann ich verstehen. Hatte ähnliche Bedenken. Es war dann allerdings nicht zu krass; ich hatte King "schlimmer" in Erinnerung.

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