Sonntag, 7. Mai 2017

Oktober Heat von Doris Dumrauf

Buchvogel rezensiert 

Doris Dumrauf: Oktober Heat

Der junge Polizist Walter ermittelt 1958 in einem Mordfall.

Kindle: Oktober Heat Anfang
Oktober Heat - Lesespaß im Mai
orangenes Cover mit Schallplatte
Oktober Heat - Cover

Roman, 328 Seiten
CreateSpace Independent Publishing Platform, März 2017
Genre: Krimi
ISBN:  978-1537258140
hier das Buch bei Amazon
der Blog der Autorin mit weiteren Informationen zum Buch und zu ihrem Leben

Woher: Rezensionsexemplar des Autors; vielen Dank dafür

Erster Satz

Walter war schon wieder zu spät.

Zusammenfassung

Walter ist der jüngste Polizist in Lauterbach, gerade einmal 23 Jahre alt. Er ist in seinem Heimatort im pfälzischen Lauterbach stationiert, es ist Oktober 1958. Amerikanische Soldaten sind einer Militärkaserne mit Flugbahn untergebracht und wirbeln das Dorf durcheinander. Auch Walter schwärmt für Elvis Presley und Rock'n'Roll.
Am Morgen nach einem Konzert wird im Moor in Lauterbach die Leiche einer jungen Frau gefunden wird. Zudem ist auch Walters Freund Jeff, ein junger Soldat, verschwunden. Walter und sein Kollege nehmen die Ermittlungen auf.

Persönlicher Eindruck

Dieser Kriminalroman besticht durch seine detailgenaue Schilderung der Lebenumstände in den 50er Jahren. Dabei wirken diese Elemente (Kostgeld, nur wenige Haushalte haben Telefon, es gibt Pferdekutschen und die Polizeiautos sind Käfer) völlig natürlich. Wenngleich sie nostalgischen Charme haben, sind sie dennoch einfach Bestandteil der Geschichte.

Der Krimi ist spannend, die Ermittlungen nachvollziehbar; wir rätseln mit der Polizei mit, wie sich die einzelnen Puzzelteile zusammenfügen.

Die Hauptcharaktere sind sehr sympathisch. Walter ist einerseits ein typischer junger Mann, der von Mädchen schwärmt aber sich oft nicht traut, sie anzusprechen. Andererseits hat er trotz seiner Jugend einen guten kriminalistischen Spürsinn und geht mit Leib und Seele seiner Arbeit nach. Er ist dabei ein sehr integrer Charakter, der das Verbrechen aufklären möchte und dabei auch Mitgefühlt mit den Schwachen hat und nicht vorverurteilt.

Seine Mutter ist eine typische, herzliche Dorfklatschbase, weshalb er aufpassen muss, was er ihr erzählt. Seine jüngere Schwester Ingrid schwärmt für Elvis Presley und seine Musik.

Die Geschichte ist sehr flüssig zu lesen und wird aus der Geschichte von Walter erzählt. Wir folgen seinen Ermittlungen und lernen dabei auch etwas über das Leben in den 50er Jahren kennen.

Mir hat es großen Spaß gemacht, die Geschichte zu lesen! Vom ersten Satz an war ich im Geschehen und in einem Leserausch. Besonders gefallen hat mir auch, dass wir Walter und seine Freunde noch einige Zeit nach der Auflösung des Falls begleiten.

Einziger Kritikpunkt ist, dass die Beschreibung von Walters emotionalen Reaktionen manchmal etwas zu phrasenhaft wirkt und nicht immer angemessen. Bsp.: Als er einen wichtigen Puzzelstein in seinen Ermittlungen zusammengesetzt hat, "jauchzte er innerlich vor Freude auf". Hier hätte ich mir eine präzisere und weniger abgedroschene Sprache gewünscht.


Zur Autorin an sich: Doris Dumrauf wuchs während des Kalten Krieges in Rheinland-Pfalz auf, sie kennt also die geschilderten Begebenheiten aus erster Hand. Sie war auf einem U.S. Flugplatz beschäftigt; auch dieser fließt, natürlich verfremdet, in die Geschichte ein. Sie ist 1995 in die USA ausgewandert und publizierte Oktober Heat zunächst auf Englisch.


Lesen oder nicht?

Dieser Krimi bietet spannende Unterhaltung in einem interessanten Umfeld (Dorf in den 60ern) und sympathische Akteure. Ich kann ihn unbedingt empfehlen!


3 Zitate

Er konnte sich glücklich schätzen, ein eigenes Zimmer zu haben. Viele seiner Freunde mussten ihr Zimmer mit anderen Verwandten teilen. Aber nachdem sein Großvater im vorigen Jahr starb, übernahm seine Mutter das Schlafzimmer im ersten Stock und überließ Walter ihr Zimmer. Er stieß sich an der schiefen Dachbodenwand fast den Kopf an und das Bett war aus zweiter Hand, aber Wohnraum war Mangelware. Viele Lauterbacher vermieteten an Amerikaner, doch bisher hatte seine Mutter der Versuchung widerstanden. Sie kam mit ihrer Witwenrente und gelegentlichen Eierverkäufen über die Runden. Schließlich war es unangebracht für Bruder und Schwester, ein Schlafzimmer zu teilen. [Pos. 355]

Walter schaltete die Sirene an und drehte den Käfer herum. Seine Freunde beneideten ihn, weil er Auto fahren konnte, ohne auf die Geschwindigkeit zu achten, aber bei den geringen Pferdestärken eines Käfers war es kein berauschendes Erlebnis. [Pos. 672]

Walter und Schlosser kehrten zum Hof zurück, um auf Biehl zu warten. Schlosser schüttelte bewundernd den Kopf, als Walter seine alten Handschuhe anzog. „Du denkst aber auch an alles. Ich habe vergessen, nach etwas Altem zu suchen. Nun muss ich meine Polizeihandschuhe anziehen. Die werden ganz schön riechen hinterher.“ [Zufallszitat, Pos. 3050]




Ich freue mich über eure Kommentare! Habt ihr das Buch auch gelesen? Ich suche noch nach Rezensionen auf anderen Blogs.

Kommentare:

  1. Ganz tolle und ausführliche Vorstellung <3 Du hast es geschafft das ich sofort neugierig auf die Geschichte geworden bin! Besonders haben mir die Zitate gefallen. Liebe Grüße <3

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    1. Hallo Anja,
      das freut mich wirklich. Es war wirklich interessant, so nahe an den 50er Jahren dran zu sein. Ich glaube, eine Geschichte, die in dieser Zeit spielt, habe ich noch nie zuvor gelesen. Bin wirklich glücklich, dass die Autorin mich angeschrieben hat, sonst wäre ich auf dieses tolle Buch nie aufmerksam geworden.
      Gruß, Daniela

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  2. Das Genre hat mich neugierig auf deine Rezension gemacht & schön das dich das Buch begeistert hat, für mich ist dieser Krimi aber wohl eher nichts.

    Liebe Grüße
    Janna

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    1. Hallo Janna,
      jeder Jeck is anders :) Ich danke dir für deinen Kommentar.
      Gruß, Daniela

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  3. Hallo Daniela,

    eine wirklich gelungene Beschreibung, sehr schön geschrieben. Mein Geschmack ist es nicht so, obwohl mich das Dorf in den 60ern Jahren schon interessieren würde... ich empfehle es gerne an meine Krimileser weiter.
    Die Überschrift "Lesen oder nicht?" gefällt mir sehr gut!

    Liebe Grüße
    Sonja Béland

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    1. Hallo Sonja,
      vielen Dank für das Lob und die Weiterempfehlung.
      LG, Daniela

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  4. Hallo Daniela,
    das Buch kenne ich noch nicht. Aber ich muss sagen, dass mir der "nostalgische" Charme schon mal sehr zusagt. Ich kann mir die Stimmung da fast schon ein wenig vorstellen.

    Sehr schöne Rezension :o)

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,
      ja, der nostalgische Charme macht einen großen Reiz aus.
      Liebe Grüße, Daniela

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  5. Liebe Daniela,

    die Rezi empfinde ich als sehr gelungen. Ich stelle mir das Setting des Buches so ähnlich wie in der Serie "Columbo" vor, auch wenn diese ca. 10 Jahre später und in den USA spielt. Walter gefällt mir und ich lese sehr gerne Krimis, die auch eher mal nüchterner ausfallen, man dafür gut mitraten kann und am Ende keinen Fragen offenbleiben. Habe das Buch direkt auf meine Merkliste geschoben!

    GlG vom monerl

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    1. Hallo Monerl,
      vielen Dank für das Lob! Columbo kenne ich leider nicht, daher kann ich zu dem Vergleich leider nichts sagen.
      Mir hat auch gefallen, dass der Krimi eher unblutig ist, dafür ganz viel Szenerie und viel zum miträtseln.
      Freut mich, dass das Buch auf deine Merkliste gelandet ist.
      Grüße, Daniela

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  6. Liebe Daniela,

    obwohl ich nie Krimis lese, hast Du es mit Deiner Rezi tatsächlich geschafft, mich neugierig zu machen. Vor allem, dass es in den 50ern / 60ern spielt, klingt aus meiner Sicht vielversprechend. Danke Dir!!!

    LG, Frauke

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    1. Hallo Frauke, das finde ich total schön, dass ich dich neugierig gemacht habe. :)

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  7. Huhu!

    Das klingt interessant! Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt schon mal einen Krimi gelesen habe, der in den 50ern spielt. :-)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka,
      nein, das hatte ich bis dato nämlich auch nicht; deshalb hat es mir auch so gut gefallen; es hat nämlich was.
      Eigentlich ist es noch interessanter, wenn man weiß, dass die Autorin in die USA ausgewandert ist und der Roman zunächst auf Englisch erschien :)
      Vielen lieben Dank für die Verlinkung!
      Gruß, Daniela

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